Mobivideo

Workshop im Vorfeld zu Tu ma wat

Solibrunch

Auch im August gibt es wieder einen Kiezbrunch. Dieses mal in der räumungsbedrohten Meuterei in Kreuzberg

Wie die letzten Male auch gibt es wieder warme und kalte, süße und deftige Speisen. Alles vegan/vegetarisch. Natürlich gibt es auch wieder diverse kalte Getränke, Kaffee, Kuchen etc etc. Wir freuen uns außerdem natürlich über alle, die gerne etwas zum Buffett beitragen, oder etwas spenden - das Geld geht wie immer in selbstorganisierte Freiräume.

Tu Mal Wat Aufruf

10 Jahre Betongoldboom, 15 Jahre Privatisierung der städtischen Wohnungen, 20 Jahre Stopp beim sozialen Wohnungsbau, 29 Jahre Berliner Linie. Auf der Seite der Mieter_innen heißt das: Eine Dekade mit jährlich zweistelligen Mietsteigerungen. Die Wohnqualität sinkt, der Anteil unseres Einkommens, den wir für Mieten abgeben, steigt. Doch die Belastung ist nicht nur finanziell. Verdrängung schafft bei vielen Angst und schränkt das Sozialleben ein.

Während sich Berlin zunehmend in eine glattgeschliffene Betonwüste verwandelt, hecheln die ärmeren Bevölkerungsteile im Dauerstress von Job zu Job, um Renditeerwartungen zu erfüllen, die nicht ohne Grund von vornherein über dem Wert liegen, den mensch sich leisten kann. Denn die Verdrängung hat System: Wer die Renditeerwartung nicht erfüllen kann, soll gehen: Raus aus der Wohnung, raus aus dem Laden, raus aus dem Kiez, raus aus der Stadt. Im schlimmsten Fall heißt es: Raus aus sicheren Wohnverhältnissen. Das System hat einen Namen: Kapitalismus. Das Recht auf Eigentum an Grund und Boden ist in Berlin zum entscheidenden Faktor dafür geworden, ob mensch sich diese Stadt leisten kann.

Dazu tragen nicht allein die Investoren bei, die fett abkassieren, sondern auch die staatlichen Behörden: Die Polizei, die räumt – das Gericht, was die Räumungsklage fällt – die Abgeordneten, die mit immer neuen Ideen kommen, um den Markt zu reglementieren und bei Räumungen jede Verantwortung von sich weisen.

Doch finden wir zwischen Malls, Luxusbauten und reglementiertem öffentlichen Raum auch noch widerständige Momente und Orte. Entlang der Frage von Eigentumsverhältnissen wehren sich einzelne Mieter_innen, Gruppen und Bewohner_innen ganzer Häuserblöcke, kleine Gewerbetreibende und soziale Zentren. Sie weigern sich nicht allein ihre Wohnungen, Häuser oder Läden zu verlassen, sondern kämpfen auch für eine Stadt von Unten, in der alle Menschen nicht nur Zugang zu Wohnraum haben, sondern ihre Stadt zusammen gestalten können.

Einige dieser widerständigen Momente waren die Besetzungen im Frühjahr und Herbst letzten Jahres. Die materiellen Erfolge sind vorerst bescheiden. Es blieb nur etwas Wohnraum in der Großbeerenstr. 17a. Doch ist die Frage nach der Legitimität und Notwendigkeit von Besetzungen wieder in den politischen Diskurs gerückt. Mehr als die Hälfte der Berliner_innen finden Besetzungen und Enteignungen legitim. Tausende gingen dieses Jahr wieder auf die Straße, um sich zu widersetzen, und der Zusammenhalt in der Bevölkerung wächst. Gleichwohl kann dies nur ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen sein.

Deswegen will ein Bündnis verschiedener Gruppen vom 26. bis 29. September mit den „Tu mal wat Aktionstagen“ die wohnungspolitischen Kämpfe weiter zuspitzen. Aktionstage bieten sich an, um öffentlich beworbene Veranstaltungen wie Diskussionsrunden, Workshops, Filmabende und Solipartys mit handfester Praxis zu kombinieren. Thematisch geht es um die Enteignung, die Aneignung, das Sich-Widersetzten und den Erhalt von Räumen und Orten, in Theorie und Praxis.

Besetzungen können dabei ganz verschiedene Formen annehmen: Es gibt stille Besetzungen, die nicht öffentlich gemacht werden, und „laute“, öffentliche Besetzungen. In privatem oder öffentlichem Raum. In Leerstand oder Luxusbauten. Mensch kann öffentlichen Raum für ein paar Stunden nutzen oder eine Wohnung gegen die anstehende Zwangsräumung verbarrikadieren. Räume neu besetzen oder sich nicht rauswerfen lassen, wenn mensch den Schlüssel abgeben soll. Ein Ziel der Aktionstage ist es, diese Vielfalt von Aktionsformen sichtbar zu machen.

Dafür ist auch eine Rückbesinnung auf die bestehende Vielfalt und die Einbindung ehemaliger und fortwährender Besetzungen notwendig. Zentral sind hier die Kämpfe bestehender Projekte in Berlin, wie der Liebig34, der Potse, des Syndikats, der Meuterei und der Rigaer94, die Verhinderung der angedrohten Räumungen und die Neubesetzung anderer Räumlichkeiten.

Besetzungen sind für uns keine symbolische Spaßaktionen, sondern eine notwendige Widerstandspraxis. Dass Besetzen eine wirkungsvolle Aktionsform darstellt, lehrt uns nicht nur die Vergangenheit der 80er und 90er und die daraus entstandenen Projekte und Bewegungen, sondern auch der aktuell ausdauernde Widerstand im Hambacher Forst. Besetzungen schaffen innerhalb der kapitalistisch organisierten Stadt Räume, in denen es möglich ist, mit der Idee von kollektivem und gemeinschaftlichem Wohnen der zunehmenden Vereinzelung von Menschen entgegenzuwirken und stattdessen solidarische Strukturen aufzubauen und zu stärken.

Widersetzt euch: Besetzt vom 26. bis 29. September Häuser, Wohnungen, Büros und öffentlichen Raum. Kämpft für den Erhalt bedrohter Projekte und für eine lebenswerte Stadt. Wir wollen uns diese Stadt praktisch aneignen. Dafür seid ihr alle gefragt.

Uns gehört die Stadt!

besetzen

Hausprojektgruppe Großbeerenstr. 17a Rigaer94 Liebig34 Meuterei Potse Padovicz WatchBlog Syndikat Bucht für Alle Wagenplatz DieselA

Solidarität mit der G17a

Am 29.05 wurde mit polizeilichen Zwangsmaßnahmen in der Großbeerenstraße 17a die durch eine Nutzungsvereinbarung rechtlich abgesicherte Wohnung geräumt! Auch wenn die Bullen am selbigen Abend verlauteten, dass es sich um keine Räumung handele, wurde den Bewohnern das wiederbetreten der Wohnräume am darauffolgenden Tag verweigert.

Im Hiblick auf die nicht übergebenen Räumlichkeiten des Syndikats und der Liebig 34 und auch unsern Räumen, zeigt das mal wieder, dass wir uns nicht auf Versprechungen der Bullen oder auf das sogenannte Rechtssystem verlassen können.

Achtet auf Ankündigungen und zeigt euch solidarisch.

Das Meuterei Kollektiv

Pressemitteilung zum Ende des Mietvetrags

Die Meuterei bleibt ohne gültigen Mietvertrag in ihren Räumlichkeiten

Das Kneipenkollektiv verweigert die Aushändigung der Schlüssel

Berlin, 31.05.2019. Begleitet von Protest, verweigerte das Kneipenkollektiv „Meuterei“ am Freitagmittag die Aushändigung ihrer Hausschlüssel an den Eigentümer Goran Nenadic. Der Mietvertrag der Kiezkneipe war am Freitag ausgelaufen und vom Eigentümer nicht verlängert worden. Die Schlüsselübergabe an die Vertreter des Eigentümers, die Vigor Haus- und Grundstücksverwaltung GmbH sollte das Ende der „Meuterei“ besiegeln. Stattdessen entschied sich das Meutereikollektiv auch ohne gültigen Mietvertrag zu bleiben. Begleitet wurde das Ganze von 250 lautstarken Unterstützer°innen. Das Kneipenkollektiv „Meuterei“ besteht seit fast 10 Jahren. 2011 wurde das Haus in der Reichenbergerstraße 58 von Nenadic gekauft und alle Wohnungen bis auf die Räumlichkeiten der Kneipe als Eigentumswohnungen verkauft. Der gescheiterten Schlüsselübergabe gingen mehrere Verhandlungen mit dem Eigentümer voraus, der den Mietvertrag beenden und die Gewerbefläche ebenfalls gewinnbringend verkaufen möchte. Trotz Interesse des Kollektives, die Räumlichkeiten zu kaufen, waren die zuletzt angebotenen 650 000 Euro für die unsanierte Gewerbenutzfläche inakzeptabel. „Dieses Angebot ist absurd. Unabhängig davon dass wir eine so hohe Summe nicht bezahlen können, wollen wir uns an dem spekulativen Spiel mit den Immobilen nicht beteiligen.“ so Anne Bonny vom Kneipenkollektiv. Für viele Menschen im Kiez ist die Meuterei mehr als eine Kneipe. Das haben das Kiezfest vergangenes Wochenende, die Demonstration im Januar mit knapp tausend Anwohner°innen und Unterstützer°innen und die Unterschriftenaktion mit über 1500 Unterzeichnenden gezeigt. Anne Bonny kommentiert: „Kneipen wie die Meuterei sind ein wichtiger Teil des Kiezes. Es gibt nicht nur Getränke, die sich wirklich Jede° leisten kann. Hier finden Miet- und Sozialberatungen, unkommerzielle politische Veranstaltungen, Spielenachmittage und Filmabende statt.“ Die Kneipenkollektivmitglieder der Meuterei sind nicht die ersten, die 2019 die Schlüsselübergabe an Immobilieneigentümer boykottierten. Bereits die Kiezkneipe „Syndikat“ in Neukölln sowie die „Potse“ in Schöneberg und das Hausprojekt „Liebig 34“ in Friedrichshain bleiben trotz Ende ihrer Mietverträge in ihren Räumlichkeiten. „Wir bleiben ein Ort des Austausches - ob mit oder ohne gültigem Mietvertrag! Wir reihen uns solidarisch und entschlossen in den Kampf gegen Verdrängung ein. Es wird keine Beute mit der Meute geben!“ so Anne Bonny.

Weitere Informationen: Email: meuterei@riseup.net

Kundgebung

Keine Beute mit der Meute - Aufruf zur Kundgebung am 31.05.2019

Am kommenden Freitag ist es soweit- Es soll Schluss sein mit der Meuterei- knapp 10 Jahre Kiezkneipe, Kollektivarbeit, Sozialertreffpunkt, Feierabendbier, Sozialberatung und Veranstaltungsraum- Beendet durch einen auslaufenden Mietvertrag und einen Eigentümer der schnelles Geld mit dem Verkauf machen will. Ungeachtet dessen was die Menschen im Kiez wollen, möchte Goran Nenadic dem das Haus in der Reichenbergstraße 58 gehört, die Räumlichkeiten der Meuterei für 650 000 Euro verkaufen und versteckt sich hinter dem Markt der angeblich alleine die Preise mache.

Das für die Menschen im Kiez die Meuterei ein wichtiger Bestandteil dessen ist, haben die große Kiezdemo im Januar diesen Jahres mit knapp Tausend Demonstant_innen und fast doppelt so viele Unterstützerinnenunterschriften und Teilnehmerinnen beim Reichenbergerstraßenfest gezeigt. Unberührt davon soll die Schlüsselübergabe am 31.05.2019 statt finden und ein realistisches entgegenkommen Nenadics den Kaufpreis betreffend ist nicht denkbar.

Ob die Meuterei bleibt, liegt also allein bei uns. Wir rufen auf zur Kundgebung am 31.05. dem offiziellen Ende des Mietvertrages, ab 16 Uhr Reichenbergerstraße 58, vor der Meuterei. Zeigen wir dem Eigentümer lautstark dass wir mit einem Ende der Meuterei nicht einverstanden sind und er die Kneipenräumlichkeiten unter dem Widerstand des Kiezes nicht verkauft bekommt.

Kiezerhalt bleibt Handarbeit und sowieso: keine Beute mit der Meute!

** 31.05.2019 Kundgebung für den Erhalt der Meuterei**

** ab 16 Uhr in der Reichenbergerstraße 58**

** Redebeiträge und Musik**

Reichenberger Kiezfest

Besetzung der Großbeerenstraße 17a

Solidatität mit den Besetzer_innen der Großbeerenstraße, jede Räumung ist eine zuviel.

What would Jesus do?

Akute Räumungsbedrohung - Solidarität mit der Hausprojektgruppe Großbeerenstr. 17A

Liebe Mitstreiter_innen gegen Mietenwahnsinn, Gentrifizierung, Verdrängung und Zwangsräumung und für ein Recht auf Wohnen für alle und eine von unten bestimmte Stadt,

die radikale Entmietung von Häusern, um sie danach leichter zu modernisieren, in Eigentumswohnungen umzuwandeln, verkaufen zu können oder abzureißen, ist eine der brutalsten Angriffsformen auf unsere Wohn- und Lebensverhältnisse. Deshalb hat die Hausprojektgruppe Großbeerenstr. 17a im Bündnis mit #besetzen am 8.9.2018 das seit 8 Jahren fast völlig entmietete Haus in der Großbeerenstraße besetzt. Der Eigentümer ist die Aachener Siedlungs- und Wohnungs GmbH, die der katholischen Kirche gehört. Die ASW unterschrieb nach der Besetzung einen Nutzungsvertrag für eine Wohnung und erklärte ihre Gesprächsbereitschaft zu den Forderungen der Hausprojektgruppe. Im Februar 2019 brach die ASW die Gespräche einseitig ab und forderte die Räumung der genutzten Wohnung zunächst bis zum 31.3.2018, dann ultimativ bis zum 10.4.2019. Seit Freitag, 12.4.19, lässt die ASW den Zugang zum Haus durch einen privaten Wachschutz kontrollieren und versuchte durch eine Zugangssperre zur Wohnung die kalte Räumung. Wir hoffen und wissen, dass ihr unsere Forderungen seit der Besetzung auf vielfältige Weise unterstützt. Eine Form der Unterstützung soll diese Solidaritätserklärung sein. Wir hoffen, dass möglichst viele Initiativen, Projekte und Gruppen der Stadtbewegung von unten sie unterschreiben. Diese Soli-Liste soll regelmäßig ergänzt und veröffentlicht werden. Aktuell könnt ihr uns vor allem durch Präsenz vor und im Haus unterstützen.

Danke für eure Solidarität Hausprojektgruppe G 17a

Kontakt: g17a_berlin@riseup.net

Casino Abend

Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Casinoabend in der Meute mit dem lengendären "Chickenfight" und "Kakerlakenrennen" und Casinospielen ohne Geld -mit den passenden Getränken und Musik.

Beginn: 20.00

Keine Miete für Niemand! – Interkiezionale Block auf der Mietenwahnsinn-Demo am 6. April

06. April | 12 Uhr | Alexanderplatz Vortreff Friedrichshain: 13 Uhr | Dorfplatz (Rigaer- / Ecke Liebigstraße) Vortreff Neukölln: 11 Uhr | Syndikat (Weisestraße 56)

Dies ist ein Aufruf sich dem „Block für interkiezionale Solidarität“ anzuschließen. Dies ist ein Aufruf sich gegen die Stadt der Reichen zu stellen und für die Stadt von Unten zu kämpfen. Dies ist ein Aufruf sich zu organisieren, rebellische Nachbarschaften und solidarische Strukturen zu bilden. Verteidigen wir gemeinsam bedrohte Orte und erkämpfen wir Neue.

Vom Elend einer Stadt der Reichen

In der Stadt der Reichen ist jede Wohnung, jeder Platz, jeder Park und auch die Moral auf diejenigen zugeschnitten, die den höchsten Preis zahlen können. Die meisten Berliner_innen sind aber nicht reich. Ganz im Gegenteil: Berlin hat von allen Bundesländern in Deutschland den höchsten Anstieg von Armut zu verzeichnen. Das hat unmittelbar mit dem „System Miete“ zu tun, das Geld sehr effektiv von unten nach oben verteilt. Wir richten uns gegen die herrschenden, autoritären Bestrebungen in Wirtschaft und Politik, noch jeden Quadratzentimeter unserer Stadt verwerten zu wollen. Diesen Alptraum verhindern zu wollen, hat nichts mit dem Groll auf Besserverdienende zu tun. Uns ist es schlicht zuwider, dass soziale Teilhabe vom Einkommen und der sozialen, wie kulturellen Herkunft abhängig ist. Für Arme, Obdachlose, Geflüchtete, Alte und andere Marginalisierte ist in der Stadt der Reichen kein Platz. Deshalb gilt es sich diesen Zuständen entgegen zu stellen.

Organisiert – solidarisch – rebellisch

Die #MIETENWAHNSINN-Demo ist Teil eines vielfältigen selbstorganisierten Protestes. Sie ist eine Manifestation außerparlamentarischer Politik von Nachbar_innen. Deshalb unterstützen wir die Demonstration und ihren Aufruf mit jeder Silbe. Es ist erfreulich zu sehen, dass solidarische Strukturen aus vielen Kiezen Berlins sich an diesem Protest beteiligen und der alltägliche Kampf gegen Verdrängung, Armut und Ausgrenzung der einzelnen Inititativen, Gruppen und Hausgemeinschaften am 6. April gemeinsam auf die Straße getragen wird. Vielerorts wird in der politischen Praxis noch mit der herrschenden Politik kollaboriert, reformistische Ziele geäußert und nur Wenige wollen von Militanz etwas wissen. Doch werden immer mehr radikale Praktiken wie #besetzen, das Verhindern von Zwangsräumungen und die Enteignungen (ohne Entschädigung) nicht nur diskutiert, sondern aktiv vorangetrieben oder zumindest unterstützt.

Rebellische und solidarische Aktionen gibt es vielerorts. CinePlex-Angestellte in Lichtenberg verhinderten diesen März mit ihrem politischen Streik eine Präsentation des irrwitzigen Bebauungsplans der Rummelsburger Bucht durch SPD und Linke. In Nürnberg sorgten 800 solidarische Nachbar_innen dafür eine Abschiebung nach Afghanistan auszusetzen. Auch die Besetzungen und ihre überwältigende Unterstützung im vergangenen Jahr in vielen Städten Deutschlands machen Mut und können Inspiration für unser weiteres Handeln sein.

Stadt von Unten

Um eine rebellische und solidarische Nachbarschaft zu organisieren braucht es widerständige Orte. Davon sind leider viel zu viele bedroht. Der Drugstore hatte schon seinen Zwangsauszug, die Potse ist aber noch besetzt und sieht nicht ein den Co-Work-Co-Living-Selbstverwertungs-Wohlfühl-Oasen von Up-Startern zu weichen. Die Großbeerenstraße 17A stand länger als 8 Jahren leer und wurde im Herbst besetzt. Nun will die katholische Kirche Tatsachen schaffen und die Besetzer_innen für höhere Ziele verdrängen. Das höhere Ziel: Renditescheffeln im Gewand der sozialen Arbeit. Die Rigaer 94, samt Kadterschmiede ist sowieso dauerbedroht von Fascho-Cops, Eigentümer und Justiz. Sie und das anarchafeministische Hausprojekt in der Liebig34, das keinen Nutzungsvertrag mehr hat, organisieren sich im Gefahrengebiet gegen Padovicz und den alltäglichen Bullenterror des Gefahrengebiets. Die Kiezkneipen Meuterei und Syndikat wurden gekündigt. Letztere ist nun ohne Vertrag. Beide gelten seither als noch wichtigere Orte der Vernetzung widerständiger Nachbar_innen.

Die Stadt von Unten ist die Utopie von einer Stadtgesellschaft, die weder Eigentum an Wohnraum, noch an Produktionsmitteln braucht. Diese organisiert sich kommunal und an den Bedürfnissen all ihrer Bewohner_innen. Deshalb gilt es diese Orte zu verteidigen und in ihnen weiter an der Verwirklichung der Utopie zu arbeiten.

Meuterei was los? Update März

Seit Kurzem zählt der Countdown-Zähler hinter unserem Tresen schon an zweistelligen Zahlen. Lange gabs keine richtigen Neuigkeiten. Jetzt hat sich ein bisschen was ergeben, was wir gerne mal wieder mit euch teilen wollen.

Wie wir ja schon in anderen Texten verlautbart haben, sind wir unter anderem auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Bisher hat sich da noch nichts realistisches ergeben. Deswegen sind wir weiterhin für Vorschläge und Angebote offen.

Trotzdem würden wir ja am liebsten an unserem jetzigen Standort bleiben. Auch hier hat sich einiges getan. Chronologisch fängt das damit an, dass uns der Eigentümer Goran Nenadic mitgeteilt hat, dass in der Teilungserklärung (https://de.wikipedia.org/wiki/Teilungserkl%C3%A4rung) des Hauses feststehen würde, dass nach dem Ablaufen unseres Mietvertrages eine Nutzung als Kneipe nicht erlaubt wäre. Daher hätte er gar nicht die Möglichkeit, an uns zu verkaufen, bzw. würde es uns gar nichts bringen, weil wir dann Räume hätten, in denen keine Kneipe mehr drin sein dürfe. Allerdings hätten wir die Möglichkeit, mit den Nachbar_innen zu reden, da diese die alleinige Entscheidungsmacht über etwaige Änderungen der Teilungserklärung hätten. Wir haben das erst einmal so hingenommen, weil wir zunächst heraus finden wollten, was genau in dieser Erklärung steht und wie die Nachbar_innen so auf uns reagieren. Dass es sich bei alldem auch um eine Taktik von Nenadic handelt, um sich aus der Affäre zu ziehen, war uns schon bewusst. Im Anschluss daran haben wir das Gespräch mit unseren Nachbar_innen gesucht. Anfangs haben wir Briefe verteilt. Die Resonanz, die von Einigen zurück kam, war von verhalten bis offen solidarisch. Das hat uns für den Moment erst mal positiv gestimmt, weshalb wir ein Gespräch initiiert haben, bei dem wir alle Nachbar_innen eingeladen haben, um darüber zu reden, ob und wie es möglich wäre, die Teilungserklärung zu ändern. Das Gespräch selbst war dann wieder eher ernüchternd. Leider sind von den 14 Parteien im Haus nur 2 Personen einer Partei vorbeigekommen. Zwar haben 4 andere abgesagt, trotzdem hatten sich dadurch so manche solidarischen Aussagen in abwimmelnde Lippenbekenntnisse verwandelt. Bei diesem Treffen wurden wir dann daraufhin gewiesen, dass es eben diese Teilungserklärung gibt und in der feststehen würde, dass von dem Gewerbebetrieb, nachdem wir raus sind, kein Lärm mehr nach 0:00 Uhr ausgehen dürfe. Die Teilungserklärung zu ändern, wäre nahezu unmöglich, da es einige Nachbar_innen gäbe, die sich schon aus Prinzip bei ganz anderen Entscheidungen, die weniger Auswirkungen haben, quer gestellt hätten. Außerdem gäbe es ja auch so einige Probleme mit uns. Auf dieses Gespräch hin haben wir einen weiteren Brief verfasst und an die Eigentümer_innen verteilt. In diesem haben wir sie vor allem darauf hingewiesen, dass es ja viele Positionen gibt zwischen „Generell keine Kneipe da unten“ und „Ich will, dass die Meuterei unbedingt bleibt“. Bisher hat sich, zumindest uns gegenüber, keine der Eigentümer_innenparteien gemeldet und konkret Stellung bezogen. Die einzige Aussage, die wir immer wieder bekommen, ist die, dass sie ja gar nichts machen können und keinerlei Entscheidungsgewalt hätten. Das sehen wir anders. Zwar kann die Eigentümer_innengemeinschaft keinen Einfluss auf den Verkauf der Einheit nehmen, dennoch können sie schlichtweg als einzige die Teilungserklärung ändern. Sie betonen immer wieder, dass ihnen der Kiez wichtig sei und sie ja selbst aktiv wären und nicht wollen, dass sich die Gegend negativ verändert. Auch unsere Projekte seien ihnen wichtig. Was sie nicht sagen, ist, dass die Kneipe sie stört. Dass sie zwar nicht wollen, dass sich der Kiez verändert, aber eine Kneipe soll doch bitte nicht in ihrem Haus sein. Unsere Erwiderung darauf ist ein mittlerweile viel (von uns) zitierter Satz: „Wer in Kreuzberg eine Wohnung über einer Kneipe kauft, kauft eben in Kreuzberg eine Wohnung über einer Kneipe.“ (Und Kreuzberger Nächte sind ja bekanntlich lang). Ist ja eben nicht so, als wären wir nicht schon eher da gewesen. In den Räumen der Meuterei befindet sich seit mindestens den 1950er Jahren eine Kneipe. Eine Kneipe, die vermutlich immer länger als bis 24:00 Uhr laut war. Damit sind die Eigentümer_innen schon mit dem Unterschreiben der Teilungserklärung vor 5 Jahren aktiver Teil der Veränderung der Kiezkultur gewesen. Kommen wir nun zum Eigentümer Goran Nenadic. Wie in der Taz ja schon veröffentlicht wurde, sind wir in Gesprächen mit ihm. Der konkrete Preis, den er uns vorgeschlagen hat sind 750.000 €. Diesen Preis haben ihm seine Makler_innen errechnet. Dabei wurde der Zustand der Räumlichkeiten komplett außer Acht gelassen. Eine Art Gutachten, was für bauliche Maßnahmen gemacht werden müssten und welchen finanziellen Umfang diese haben würden, wurde nicht beachtet.
Bei einem erneuten Gespräch Ende Februar haben wir über den Preis gesprochen. Auch hier betonte er wieder, dass er den Markt ja nicht machen würde, sondern sich lediglich anpasst. Hat die Kosten und Risiken aufgezählt, die er bei dem Erwerb des Hauses eingegangen ist und so weiter… Für uns ist klar, dass wir diesen Preis nicht bezahlen werden. Wir werden stattdessen ein Angebot vorlegen, dass realistischer ist. Allerdings hat er schon gesagt, dass er an den Meistbietenden verkauft. In naher Zukunft will er die Räume inserieren und zwar so, als ob sie leer wären. Die neuste Erkenntnis aus dem Gespräch ist, dass er nicht, wie ursprünglich, sanieren und dann verkaufen will, sondern direkt verkaufen möchte. Dies führt uns zu der Annahme, dass wir, zusammen mit euch, in den letzten Monaten auf jeden Fall was richtig gemacht haben. Wir denken, dass er sich durchaus darüber bewusst ist, was es für Proteste gab und welche wohl noch folgen können. Und dass er deswegen versucht, die Gewerbeeinheit so schnell wie möglich zu veräußern, damit er raus ist aus der Nummer.

Für uns konkret heißt das jetzt: Wir müssen noch mehr Rabatz machen! Jegliche Investor_innen müssen sehen, dass sie sich hiermit auf jeden Fall Ärger kaufen. Wir werden nicht auf Kuschelkurs gehen und versuchen uns anzubiedern. Wir wollen bleiben und wer etwas dagegen unternimmt, hat nicht nur ein paar paar Leute gegen sich, sondern eine ganze solidarische Nachbarschaft. Beziehungsweise viele solidarische Nachbarschaften, wenn man die Entwicklung der vergangenen Zeit in Berlin betrachtet!

In diesem Sinne: Solidarische Grüße an alle anderen bedrohten Projekte und Orte! Wir haben nur etwas zu gewinnen! One struggle – one fight!

Die Meuterei März 2019

Aufruf zum Kiezspaziergang

Am 02.03 wird aus verschiedenen Kiezen in Berlin eine Sterndemo zum Lausitzer Platz stattfinden. Bisher sind Finger aus Schöneberg Fhain und Neukölln dabei. Das Ziel an diesem Tag ist sich solidarisch mit den verschiednen Projekten wie Syndikat, Liebig 34, Potse, Drugstore, G17a, R94 und der Brauni zu zeigen. Diese haben sich teilweise nicht am 01.01 ihre Schlüßel klauen lassen oder werden durch Investor_innen in ihren Freiräumen bedroht. Auch bei uns ist es nich klar, ob wir in noch nich mal 100 Tagen in unseren Räumen sind. Deshalb möchten wir mit euch zusammen lautstark von der Meuterei um 16h als kreuzberger Finger zum Lausitzer Platz segeln.

Fäncy Yuppie Yacht Bar Party - eine dystopische Zeitreise

Einladung zu einem noblen Segelturn auf der Reiche58 ins Jahr 2020, mit erstklassigen Cocktails, vornehmen Häppchen und elitären Gesprächen. Ein luxuriöses, extravagantes, edles, nobles, kultiviertes, hochwertiges, teueres, unerschwingliches, eitles, gönnerhaftes, überhebliches, exklusives Spektakel als Ausblick auf die Dystopie der möglichen Zukunft.

Sektempfang ab 20Uhr
Auktion 21Uhr
Abendgarderobe erwünscht

(Dresscode fancy as fuck)

Was hat uns bloss so runiert?

November Monatsflyer

Was ist eigentlich los in der Meuterei?

Vielleicht habt ihr auch schon Gerüchte gehört oder die Uhr am Tresen gesehen, die anzeigt wieviele Tage die Meuterei noch einen Mietvertrag hat.

Ja, das sind nur noch ein bisschen mehr als 300 Tage…. Blöd, finden wir und nach einer öffentlichen Disskusionsrunde zu urteilen auch viele unserer Gäste und Nachbarn. Auch das wir nicht die Ersten sind und auch nicht die Letzten sein werden, die einer Stadtumstrukturierung zugunsten des Kapitals Platz machen sollen, veranlasst uns zu diesem Text.

Aktuelle Situation

Da wir eine Gewerbemietvertrag haben, der nach Ablaufen (solange im Vertrag nicht anders vorgesehen) keine automatische Weitervermietung beinhaltet, sondern einen eventuellen neuen Vertrag, haben wir nicht mehr Rechte als jeder andere dieder diesen Raum neu mieten wollen würde. Das heißt wir haben keine Möglichkeiten eine Verlängerung des Vertrags einzuklagen. Wir sind trotz der nicht besonders guten Umstände zuversichtlich und geben nicht einfach auf. Ob wir glorreich (und mit Krach) untergehen oder doch eine Chance zur Verlängerung besteht, hängt von uns allen ab. Ob mit uns zusammen oder in euren Gruppen, jegliche Unterstützung ist erwünscht. Welche Möglichkeiten wir haben bzw. diskutieren, beschreiben wir unter "was wir wollen" genauer. Eins müssen wir allerdings leider von vornherein klarstellen, einfach so bleiben, auch wenn der Mietvertrag ausgelaufen ist, stellt für uns leider keine gangbare Möglichkeit dar.

Geschichte der Meuterei

Es ist jetzt über 9 Jahre her, dass das Meutereikollektiv die Ladenräume in der Reichenberger Strasse 58 anmietete. Das Haus gehörte dem Filmprodunzenten Atze Brauner und seiner „Brauner Eigenheim und Grundstücks KG“, stand aber schon unter Zwangsverwaltung.

Erstmal passierte mit dem Haus nicht viel und wir als Meutekollektiv konnten uns darauf konzentrieren einen funktionierenden Kneipenbetrieb mit politischen und kulturellen Verunstaltungen aufzubauen. Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass die Gentrification und Verdrängung im Stadtteil voll im Gange war. Deshalb initiierten wir sehr schnell in unseren Räumen eine regelmäßige Stadtteilversammlung um mit den Bewohnerinnen des Kiezes Widerstand gegen Aufwertung und Verdrängung zu organisieren. Dabei organisierten wir Aktionen und vermittelten benötigte juristische Hilfestellung im Einzelfall. Aus dieser Stadtteilversammlung entwickelte sich später das eigene Projekt Café Reiche mit seinen Stadtteilversammlungen und Aktionen.

Als Brauner immer weiter in finanzielle Schieflage geriet wurde das Haus im gleichen Zwangsversteigerungsverahren wie das der Reiche 114 an die ehemalige Sparkasse Österreichs verschleudert.

Da dann nichts weiter im oder mit dem Haus passierte war es nur eine Frage der Zeit, dass diese wohl das Haus weiter veräußern würden und Menschen aus dem Kollektiv und dem Meutereiumfeld begannen darüber zu diskutieren, wie das Haus gesichert werden und dem Immobilienmarkt entzogen werden könnte. Es bildete sich eine Hausprojektgruppe die den leerstehenden Wohnraum wieder als Wohnraum nutzbar machen und andere Räume für politische/soziale Arbeit öffnen wollte.

Es mussten noch Fakten zur Bausubstanz und der Finanzierung geklärt werden und es wurden erste Signale an die Eigentümerin gesendet über einen möglichen Kauf sprechen zu wollen. Dann 2011 wurde, wie so oft in Berlin, wenn Hausgruppen beginnen offen in Kaufverhandlungen zu treten, das Haus von der Eigentümerin weiterverkauft an die "Vivum Consulting GmbH" im Auftrag der "Zelos Properties GmbH". Geschäftsführer letzterer ist Goran Nenadic, der seit dem als Eigentümer auftrat. Viele Berlinerinnen werden diese Firmen noch kennen. Sie traten auf im Zusammenhang mit den Mietkämpfen um das Haus in der Torstrasse, wo das Baiz seine ersten Räumlichkeiten hatte, und um das Haus am Lausitzer Platz 17.

Weitere Informationen zu Goran Nenadic und seinen Geschäftspartnern findet ihr in der Broschüre: „Informationen zur geplanten Luxussanierung Christinenstrasse 1 und Torstrasse 69

Wir organisierten eine Mieterinnenversammlung mit anwaltlicher Unterstützung um die Bewonerinnen zum Widerstand zu motivieren. Das Haus war in einem maroden Zustand und die Wohnungen wurden auch nicht mehr weitervermietet, sodass nur noch wenige Mietparteien zu diesem Zeitpunkt im Haus wohnten. Leider liessen sich die wenigen Mietparteien trotz unserer Bemühungen vom sogenannnten „Mietmanagment“ der Firma "Ziegert-Immobilien" einschüchtern und aus den Mietverträgen kaufen.

Es begann ein Jahr umfangreicher Baumassnahmen. Als sich für die Eigentümerinnen abzeichnete, dass wir nicht freiwillig gehen würden und auch noch unser Recht auf eine Verlängerung um weitere fünf Jahre in Anspruch nahmen, kam es zur Kündigung unseres Vertrages und zu einem Rechtstreit, den wir gewannen.

Seitdem hielt sich der Eigentümer zurück und der Kontakt beschränkte sich auf kleinere Streitigkeiten, wer für welche Baumaßnahmen zahlen sollte.

Unser Kiez

Kreuzberg ist arm und sexy, dass ist Segen und Fluch zugleich.

Früher ein Arbeiterviertel, für das sich kein Mensch interressierte und in dem der sogenannte Rand der Gesellschaft einen Platz gefunden hatte oder hingesteckt wurde. Zugezogene Gastarbeiterinnen, Studentinnen und die gesammte Spanne der Alternativen teilte sich den Wohn- und Arbeitsraum in der damaligen Peripherie Berlins (West). Das Stadtbild war geprägt druch Besetzungen, an denen gemeinschaftliches Handeln erprobt wurde. Kleine Ladengeschäfte, Nieschenkünstlerinnen und gesellschaftlich nicht Wahrgenommene investierten ihre Zeit und Energie in den Randbezirk.

Dann auf einmal lag der Schmuddelbezirk mitten in Berlin. Vom Kotti aus ist alles erreichbar und die vernachlässigten Kieze waren plötzlich ins Rampenlicht der Imobilienwirtschaft gerückt. Nun gab es nur noch ein Problem – und zwar die ganzen Menschen in dem Kiez, die für die kapitalistische Verwertungslogik im Rampenlicht nichts zu suchen haben und doch bitte an den Stadtrand gehen sollen, wo sie hingehören. Um dies zu bewerkstelligen lud man die „Gentrification“ ein und überließ ihr vorwiegend ungebremst die Arbeit der Verdrängung. Die Stadt Berlin verscheuerte die Immobilien an nette Freunde und diese spekulierten mit den Objekten um die Wette. Unsanierter Altbau wird seit dem luxussaniert und in Eigentumswohnungen umgewandelt, welche dann von Besserverdienenden bezogen werden. Mieten werden Schritt für Schritt erhöht bis die Bewohnerinnen es sich nicht mehr leisten können und wegziehen müssen. Kleine Läden verschwinden und hippe Cafes und Ketten ziehen nach. Das ganze passiert aber alles noch auf Grundlage des Kreuzberger Flairs mit dem geworben und verdient wird, ohne zu verstehen oder verstehen zu wollen, dass dadurch das so geliebte Flair schon verschwunden ist. Ein Hostel ist keine neue Art des allternativen Wohnens. Ein fairtrade, bio, vegan, regional, … Kaffee für 3,70€ ist auch nicht die neue politsche Avangarde. Und Galerien, Atelliers und Showrooms sind keine Undergroundkunst.

Warum sind wir wichtig für den Kiez?

Auch die Reichenberger Straße ist nicht von der Stadtumstrukturierung verschont geblieben. In den vergangenen Jahren mussten wir mitbekommen, wie andere Kneipen, die den Kiez prägten, schließen mussten & neue Café & Co-Working-Spaces eröffneten. Mittlerweile sind wir dadurch nicht nur eine der wenigen erschwinglichen Kneipen, sondern versuchen auch offen für verschiedenste Menschen zu sein, die aus dem Kiez verdrängt werden sollen & die keinen Zugang zum neuen Kreuzberg haben. Wir bieten Räume für Informationen, Veranstaltungen, Plena, veranstalten Mal- und Spielesonntage, bieten in Kooperationen Rechtsberatungen an und versuchen einen Ort des Austausches zu sein. Außerdem sind wir mit anderen Kiezstrukturen vernetzt und unterstützen sie in ihren Anliegen.

Was wir wollen…

Grundsätzlich gibt’s dazu erst mal eines klar zu sagen: Wir wollen bleiben!

Dieser Wunsch hat zwei unterschiedliche Ursachen. Zum einen ist die Meuterei unser Arbeitsplatz. Ein Arbeitsplatz an dem wir uns selbst organisieren und mitentscheiden können, wie intensiv wir arbeiten wollen oder eben auch nicht. Gleichzeitig kann keiner von uns ausschließlich von der Arbeit in der Meuterei leben. Was dann zu der Frage führt: Warum tun wir uns den Quatsch überhaupt an? Weil die Meute für uns eben doch nicht nur irgendeine Kneipe ist. Sie ist unser öffentliches Wohnzimmer. Deshalb halsen wir uns diese Zusatzarbeit auf und stehen damit in dem Zwiespalt zwischen Lohnarbeit und Arbeit für unsere politischen und sozialen Überzeugungen. Die meisten Veranstaltungen, die wir selbst organisieren fallen eher unter Zweiteres (was sich manchmal womöglich in unserer Arbeitsmoral widerspiegelt). Dies ist Basis für die persönliche Dimension, die uns veranlasst die Meuterei behalten zu wollen.

Die andere Dimension ist dabei um einiges vielschichtiger und komplizierter, die politische. In unserem Kollektiv führen wir oft die Diskussion darüber was die Meute eigentlich aus politischer Sicht darstellt. Bis jetzt sind wir nicht alle derselben Meinung und beantworten folgende Fragen unterschiedlich.

Kann ein kommerzieller Betrieb ein politischer Ort sein? Was bedeutet es ein politischer Ort zu sein? Was bedeutet es ein wichtiger Ort für politisch aktive Menschen zu sein? Was macht einen Ort zu einem politischen Ort, Veranstaltungen, Leute, Plakate, Solicocktails? Bei unserer letzten öffentlichen Diskussionsveranstaltung haben wir diese Fragen unseren Stammgästen und allen anderen Interessierten gestellt. Gefühlt haben sich diese um einiges leichter getan, die Meuterei als politischen Ort zu definieren, als wir. Aber egal ob es sich um einen politischen Ort handelt oder nicht, wurde vor allem deutlich, dass diese Kneipe nicht nur eine Herzensangelegenheit unsererseits ist, sondern auch von anderen Menschen als wichtigen und damit verteidigungswürdigen Ort angesehen wird. Ein Ort der Austausch bietet und Infrastruktur stellt und dabei vermutlich zugänglicher und szeneunexpliziter ist, als so manches Hausprojekt/ anderes Etablissement.

Allerdings sind das nicht die einzigen Gründe. Gentrifizierung und Aufwertung sind längst nicht mehr linke szenepolitische Themen und betrifft nur Menschen die einer mittellosen Unterschicht zugeschrieben werden. Die Meuterei ist nicht das erste Gewerbe, das Probleme hat an seinem Standort zu bleiben und wird auch nicht das letzte sein. Aber es zeigt sich ein weiteres mal, wie sich Kieze und deren Strukturen verändern, wenn sich die Gewerbe in diesen verändern. War die Reichenberger Straße vor einigen Jahren noch wenigen kleinen Läden und einzelnen Kneipen vorbehalten und in erster Linie eher ein Wohngebiet, mutiert sie immer mehr zur Ausgehzone und Touristinnenmeile. Was spekulativ sicherlich auch mit einigen Ferienwohnungen in der Gegend zu tun hat. Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass die Steinchen ins rollen geraten sind und der geplante Google-Campus in der Ohlauer Straße wird dem ganzen als gewaltiger Felsbrocken noch den Rest geben. Es gibt schon genug Analysen, die zeigen wie sich solche Google-Standorte auf die Aufwertung der Gegenden, in denen sie stehen auswirken, sodass wir hier nicht weiter darauf eingehen wollen.

All diese verschiedenen Gründe, Aufwertung des Kiezes, ein Eigentümer der uns vermutlich los werden will, Verdrängung und steigende Vergleichsmieten, gestalten unsere Diskussionen und Perspektiven auf unsere Zukunft. Nun ist die Perspektive bleiben zu können wohl ein frommer Wunsch, schließlich aber das was wir wollen. Keiner von uns kann sich die Meuterei an einem anderen Ort vorstellen genauso wenig wie den Kiez ohne die Meuterei. Was uns trotz ausweglos erscheinender Perspektiven dazu veranlasst nicht stillschweigend zu gehen, sondern öffentlich dazu aufzurufen, den Versuch zu starten die Meute und vergleichbare Ort zu erhalten.

Wie in der "aktuellen Situation" beschrieben, haben wir keine rechtlichen Mittel um zu verhindern, dass unser Mietvertrag ausläuft. Daher sind wir vollkommen an das Wohlwollen des Eigentümers gebunden.

Denn auch nach wiederholten Aufforderungen unsererseits für ein Gespräch mit ihm kam lange keine Antwort. Schließlich nach unregelmäßigen aber kontinuierlichen Telefongesprächen mit seiner Sekretärin kam kürzlich überraschend ein Rückruf von ihm. Nun haben wir Ende August einen Termin. Wir wissen nicht was bei diesem Gespräch raus kommen wird, allerdings sind wir wenig optimistisch. Wir wollen uns weder zu früh freuen, noch wollen wir einem Investor zu viel Vertrauen vorschießen. Zumal er vor 5 Jahren gerichtlich versucht hat, uns loszuwerden. Also werden wir ja bald sehen, wie weit es mit seinem Wohlwollen ist.

Andere Ansprechpartnerinnen, die wir uns suchen könnten wären die Bezirkspolitikerinnen. Diese Diskussion war sehr kurz bei uns und soll auch hier nicht breit getreten werden. Was wir von den Grünen als Bezirksleitung erwarten können zeigt sich nicht zuletzt in der von ihnen angeordneten Räumung der GHS in der Ohlauer Straße Anfang des Jahres. Außerdem wollen wir keinen Appell an Leute richten, die zum einen eh immer sagen, sie könnten nichts entscheiden, wenn es ernst wird und zum anderen ihre Meinung ändern wie das Fähnchen im Wind. Und grundsätzlich haben wir andere politische Ziele als diesen Parlamentarismus, der uns als das einzig Wahre verkauft wird. Daher lehnen wir jegliche Zusammenarbeit mit Parteipolitikerinnen ab. In unseren Überlegungen über Perspektiven diskutieren wir verschiedenste Möglichkeiten. Wie erwähnt wäre unsere Wunschvorstellung zu gleichen (oder besseren) Konditionen zu bleiben. Andere Möglichkeiten sind:

  • zu schlechteren Konditionen zu bleiben, die es uns trotzdem noch möglich machen, den Charakter der Bar so zu erhalten, wie er gerade noch ist,
  • zu kaufen,
  • im Kiez umzuziehen,
  • aus dem Kiez raus zu ziehen,
  • mit wehenden Fahnen untergehen.

Die ersten beiden Optionen, weiterhin zur Miete zu bleiben, hängen vom Eigentümer ab, der nun mal ein Investor und Immobilienspekulant ist, sind damit unrealistisch. Es sei denn, wir schaffen es ihn davon zu überzeugen, dass es angenehmer ist mit uns ernsthaft zu verhandeln, als es nicht zu tun.

Die Kaufoption hängt zu aller erst davon ab, ob die Räumlichkeiten zum Verkaufen stehen würden. Tun sie nicht. Daher ist diese Diskussion bei uns auch noch nicht ernsthaft geführt worden. Grundsätzlich ist der derzeitige Stand, dass es keiner kategorisch ablehnt. Jedoch ist die Vorstellung, dass es für uns finanzierbar und möglich ist, auch nicht wirklichkeitsnah.

Die Option im Kiez in eine andere Räumlichkeit zu ziehen klingt zunächst ganz gut. Denn obwohl wir uns die Meute schwer an einem anderen Ort vorstellen können, glauben wir nicht, dass sie an die Räumlichkeiten in der Reichenberger 58 gebunden ist. Wichtiger ist das Umfeld und unsere (Stamm-)Gäste, die es vermutlich schaffen, uns auch in einer anderen Straße oder Hausnummer zu beehren. Der nüchterne Blick auf Mieten von Gewerberäumen holt uns allerdings immer wieder in die Realität zurück. Wenn wir nicht unglaubliches Glück haben, wird es keine Neuvermietung geben, die es uns möglich macht, die Strukturen so aufrecht zu erhalten, wie sie jetzt gerade sind. Auch das wäre nicht das Ende der Welt, allerdings wollen wir unserer vergleichsweise geringen Preise genauso aufrecht erhalten, wie die Errungenschaften, dass wir uns zum Beispiel wenigstens ein bisschen bezahlen oder die Möglichkeit haben unser Trinkgeld zu spenden oder kollektiv produzierte Getränke anbieten zu können.

Daher der Appell an alle selbstverwalteten Häuser oder Orte, denkt darüber nach: Habt ihr nicht vielleicht doch noch die ein oder andere Ladenfläche, die schon lange nicht genutzt wurde und nur voll Gerümpel steht?! Sagt uns gerne Bescheid.

Die Option aus dem Kiez raus zu ziehen ist sehr schwierig für uns. Wir mögen den Kiez, wir mögen unsere Nachbarinnen und wir mögen es zentral zu liegen. Außerdem glauben wir auch, dass sich die Kneipe zwangsläufig verändern würde, weil unser Stammpublikum zumindest zu Teilen nicht mehr käme. Wenn wir an einen vollkommen anderen Ort gingen, würde es sich dabei eher um ein neues Projekt handeln. Diese Option ziehen einige von uns jetzt schon in Erwägung, andere tun sich schwer mit dem Gedanken.

Die zuletzt genannte Option ist der letzte Ausweg und leider am wahrscheinlichsten. Und gleichzeitig ist es die, bei der wir die meiste Unterstützung brauchen. Was es genau bedeutet mit wehenden Fahnen unterzugehen wissen wir noch nicht. Dieser Text soll einen Anfang darstellen, mit dem wir alle informieren, was gerade Phase ist und ein Appell an alle, sich für unsere Lieblingskneipe einzusetzen.

Der nächste anstehende Termin ist der Kiezspaziergang am 28.7. um 16.00 Uhr am Kottbusser Tor. Kommt alle vorbei!

Vom 31.8. - 1.9. findet das jährliche Reichenberger Straßenfest statt. Auch hier sind wir wieder beteiligt und wollen dieses nutzen, um euch direkt über die Neuigkeiten von unserem Gesprächstermin mit dem Eigentümer zu informieren.

KEINE BEUTE MIT DER MEUTE!!!

(Stand Juli 2018)